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Microprose
1993
Genre:
Adventure, Rollenspiel
Thema:
Apokalypse / Horror / Science Fiction /
Kämpfen / Sonstige Fantasy
Sprache:
English
Lizenz:
Kommerziell
System:
PC (VGA)
Aufrufe:
1069

Wertung [?]

LostInSpace:
2/6
Gesamt:
2/6
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LostInSpace (04.03.2018) [verstecken]

Avatar Die Zeit ist gekommen. Ich fühle die Nacht der Nächte ist gekommen, da ich mich der Finsternis nähere. Das Böse erwacht und ein Alptraum wird wahr: Dracula beherrscht unsere Stadt New York und der Herr der Dunkelheit ist gleichzeitig der Boss des hiesigen Großkonzerns für Cybergenetik, Cyberspace, Cyberchirugie, Cybertechnologie, Cyberwaffen und Cyberüberwachung. Demzufolge hat die Stadt schon lange kein Licht mehr gesehen und wir befinden uns in einer scheinbar ewig anhaltenden Nacht.

Das Böse hat sich ungehindert an die Spitze von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft emporgeschwungen und mir als professionellen Hacker, Outlaw und Aushilfs-Ganoven steht nicht viel mehr zur Verfügung als mein überschaubarer Freundes- und Bekanntenkreis, um dem Ungeheuer Einhalt zu gebieten. Zumal Dracula höchstpersönlich meine Aufnahme in seine dunklen Kreis durch einen Biss besiegelt hat, nachdem ich mich an seine geliebte Tochter rangemacht habe. Von nun an werde ich Stück für Stück hineingezogen in die Welt der Untoten. Meine Blutlust steigt stetig und nur ein eingebautes Cyber-Implantat rettet mich davor, völlig durchzudrehen und jedem Dahergelaufenen gleich die Blutsauger-Zähne in den Hals zu rammen.

Viele Spiel-Bildschirme später habe ich tatsächlich eine kleine Truppe von Freiwilligen, Halbkriminellen und Söldnern zusammengetrommelt, um den mächtigen Vampir meine Schwertklinge, den Pfahl und die Schrotflinte spüren zu lassen. Doch entkommt der Bösewicht in die Untiefen des Cyberspace und nur mit Hilfe der geheimnisvollen und wohlbehüteten Wundersoftware Incubus versuche ich im Reich der Nullen und Einsen gegen die sieben blutrünstigen Spiegelbilder von Dracula zu bestehen. Ob ich am Ende die Welt gerettet habe? Eindeutig NEIN!

Zugegeben, das Spiel hat mich wirklich in seinen Bann gerissen. So viel abgründige Dystopie und Finsternis vermischt mit Cyberspace-Themen findet man selten. In stilistisch gelungenen surrealen Kulissen wird der Gruselspaß wunderbar in Szene gesetzt. Die Dialoge und Texte sind ein Feuerwerk an englischer Sprachkraft und Wortschöpfung, die jedem Science-Fiction-Roman den Rang ablaufen. Insgesamt wird eine eigenständige und vielleicht sogar einmalige Atmosphäre aufgebaut, der ich mich lange nicht entziehen konnte. Die Illusion einer dystopischen Cyber-Endzeit löst in mir eine ungeahnte Faszination aus.

Auch die Storyelemente tragen ihren Teil zu einer gewissen Glaubhaftigkeit bei. Da sind Gestalten aus einer vampirjagenden Bruderschaft der Rot-Kreuz-Ritter, die einen eigenen Kodex gegen die Übermacht des Bösen aufgebaut haben. Da sieht man arme und teilweise drogenabhängige Kids und an der Gesellschaft gescheiterte und nun ausgestoßene Typen im Central Park abhängen. Man trifft auf einer Party einen jungen Mann namens Renfield, der ein echter Fan von leibhaftigen Vampiren ist und sogleich sein Apartment als Abstellort des obligatorischen Sarkophages zur Verfügung stellt. Nicht zu vergessen wie man einen einflussreichen Beamten von TransTechnicals dabei filmt, wie er in flagranti mit einem leichten Mädchen rummacht, um der St.-Patrick's-Kathedrale von New York aus der Patsche zu helfen. Und last but not least ist da der Junge, der am Hopkins-Brie-Syndrom leidet und nicht mehr zwischen virtueller Realität und dem realen Geschehen unterscheiden kann. Seine kafkaeske Krankheit liefert ein Sinnbild, das in der modernen Computerspielgeschichte vielleicht einmalig ist.

Der ganze Sumpf aus Korruption, Gewalt, Macht, Unterdrückung, Dekadenz, Vereinsamung und Angst wird interessanterweise auch im zeitlich passenden Abschnitt zur Mitte der 90er Jahre in Hinblick auf den Einfluss der neuen Medien auf Leben und Gesellschaft zur Diskussion und in Frage gestellt. Werden wir eines Tages mit sinnverstärkenden Implantaten oder künstlichen Stahlmuskeln herumlaufen? Werden wir irgendwie vom Cyberspace aufgesaugt und verlieren unsere Seele in den Weiten dieser virtuellen Welten? Wird über alledem trotzdem die Welt nicht besser, sondern nur noch schlimmer? Hat schließlich nur noch ein ewig lebender Blutsauger wie Dracula die Fäden dieser irdischen Irrlichter in der Hand?

Diese Fragen tauchen vor mir auf, während ich mit meinen Gefährten die Handlanger von Oberbösewicht Van Helsing massakriere. Aber letztendlich bietet das Spiel keine befriedigende Auflösung.

Die Spielelemente am oberen Rand des Bildschirms zeigen die ständig steigende Blutlust und das Maß an Entmenschlichung an. Darum sollte man keine Unschuldigen Opfer beißen. Denn sonst wird man selbst zum Monster. Man gerät dadurch von Beginn an unter Zeitdruck. Die Story ist komplex und entfaltet sich nur langsam und ziemlich zäh in den durchaus anspruchsvollen englischen Texten und in Form der extrem schwierig zu lösenden und größtenteils absolut unfairen Puzzles.

So driftet man mit einem Avatar aus der SoulBox – einer Art frühzeitlichem „Internet-Konnektor“ – durch das versinnbildlichte Cyberspace. Dort befinden sich sogenannte WELLS also Stationen innerhalb des Cyberspace. Allein das Ausfindigmachen der entsprechenden Zugangsdaten erfordert eine ordentliche Portion spielerisches Geschick. Einige WELLS sind derart vor dem gesunden Menschenverstand abgesichert, dass selbst die Komplettlösung nur versucht, eine zufällig gefundene Lösung zu interpretieren.

Als wäre das nicht schon genug, wird an dieser Stelle mit einem aufgesetzt wirkendem Genremix noch deutlich weiter über das Ziel hinausgeschossen.

Mit langweiligen Adventureelementen wollte man den Spieler offenbar nicht abspeisen. Wer um Himmels Willen kam aber auf die Idee, das wenige Spielenswerte noch mit einem unsäglichen Rollenspielmodus zu ruinieren? Meines Erachtens nach hat die stümperhafte Implementierung eines Kampfsystems das komplette Spiel zerstört und letztendlich die wahre Apokalypse für den Spieler erst eingeleitet. Zugegebenermaßen ist dadurch das Element des zur Schau gestellten Überlebenskampfes noch mehr betont und der düsteren menschverachtenden Szenerie vielleicht auch angepasster.

Das mag sein. Aber dann doch bitte etwas Spielbares und nicht so eine plakative Ausgeburt der Einfallslosigkeit:

Man platziere jede Figur seiner Party auf dem Bildschirm und stelle über ein Kontextmenü mit Rechtsklick die jeweilige Aktion wie Abwarten, Schießen oder Abhauen ein. Anschließend warte man ab, ob man rein zufällig getroffen hat oder eben vom Gegner getroffen wurde. Der Ablauf des Kampfes geschieht dann vollautomatisch, also ohne jede spielerische Interaktion oder ein anderes Actionelement.

Aber damit nicht genug!

Nach unzähligen Kämpfen mit seiner Party ist der Protagonist Ransom Stark im Endkampf wieder auf sich allein gestellt. Zusätzlich hat sich der furchtbare Dracula durch ein paar schmutzige Softwaretricks im Cyberspace versiebenfacht. Jetzt sollte man meinen, dass Stark die mühsam erworbenen Skills und Level in dem rollenspielartigen Charakterausbausystem helfen. Aber wie weiter oben angedeutet ist dem nicht so. Denn auf den letzten 3 Bildschirmen des Spiels gelten plötzlich völlig andere Regeln. Um zu gewinnen wird „Stark“ am Ende nämlich ausschließlich an der Anzahl seiner eigenen insgesamt erzielten Monster-Kills gemessen. Seine Charakterpunkte und Skills werden überhaupt nicht beachtet. Schade nur für den, der auch mal die anderen 5 Partymitglieder beim Monster-Bashing zum Zuge kommen ließ.

Denn spätestens wegen derartiger Taktlosigkeiten seitens des Gameplays kann die Welt nicht mehr gerettet werden, obwohl man sich so tapfer durch diesen zähen Brei an der Grenze zur Unspielbarkeit durchgebissen hat.

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Verweise

Kommentare (2) [verstecken] [Kommentar schreiben]

LostInSpace (12.03.2018):

Ja, das Gute und das Schlechte liegen bekanntlich manchmal eng beieinander.

Mr Creosote (05.03.2018):

Meine Erfahrung deckt sich sehr nah mit dem Beschriebenen. Super-stylish, thematisch empfand ich das Spiel als absolut top. Spielerisch werden einem aber viel zu viele Hürden in den Weg gestellt.

Heutzutage bemerke ich den einen oder anderen Fremdschämmoment in den Dialogen und überhaupt sind Plot und Welt nicht mehr ganz so durchdacht, wie ich es seinerzeit empfand. Außerdem stört mich zusätzlich die typischer 90er-Jahre-Plastiklook.

Aber es ändert nichts daran, dass Bloodnet ein Spiel ist und bleibt, dass ich wirklich nur allzu gerne mögen würde. Von dem ich mir wirklich wünschte, ich könnte ein Loblied darauf singen. Es hat etwas grundlegend sympatisches, aber gleichzeitig fordert das nur noch stärkeren Frust heraus.

Hassliebe trifft es wohl.

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